Mittwoch, April 25, 2007

Kanada Geschichten von Auswanderer - Auswandern als harte Arbeit


Winnipeg - Hauptstrasse cirka 1925


Hallo,

das neue Buch ist nun zum ersten Mal in meiner Hand - seit 2 Tagen. Ich habe die Druckfreigabe gegeben und ich rechne damit, dass es spätestens in drei bis vier Wochen überall im Handel ist - auch in den Internet-Shops.

Damit ihr erfahrt, was hat der Maxim da zusammengetragen hat hier die Einführung.

Viel Spass beim lesen.

Anmerkung an Grafikdesigner
Ja, mir ist bekannt, man kann das Design auch besser machen : - )))


Seite 9:

EINFÜHRUNG

Vom Leben in der Wildnis, in der Zeit der „Wilden-Zwanziger“ in Berlin des letzen Jahrhunderts, bis zu der Großstadt Calgary im Jahr 2006, reichen die Erfahrungsberichte in diesem Buch. Es sind Lebensberichte von Frauen und Männer und in einem Fall der Bericht eines Kindes - heute eine Frau mit eigenen großen Kindern - über das Leben seiner verstorbenen Eltern.

Die meisten Texte wurden von Einwanderern geschrieben, die im Internet aktiv sind. Die über das Internet erzählten Geschichten, sind wie am Stammtisch, Sonntagmorgens in der Kneipe neben der Kirche oder auch nachmittags in einem Café erzählt. Ich habe Mitte 2006 den einen oder anderen gefragt und ermutigt, doch seine Geschichte zu schreiben. Diese ergänze ich dann und wann mit den „Puzzle-Stücken“, die sie in den Foren preisgeben. Denn ihre Texte sind oft eine Kurzfassung, in der sie vergessen, die Gewürze, die kleinen Storys dazu zu geben. In den Foren kann man sie sammeln und wie bei einem Puzzle zu einem Bild fügen. Andere Texte sind Nacherzählungen dessen, was man mir im Laufe der Zeit mitteilte. Auch Bücher sind Quellen der Erinnerung, die ich nutze, um Schicksale zu erzählen.

Der Aufbau des Buches ist wie ein modernes „Résumé“ (kanadischer Lebenslauf) strukturiert. Das heißt, ich beginne mit den Erzählungen der Einwanderer, die 2006 nach Kanada zogen und gehe zurück bis 1927. Hier in der Einführung beginne ich allerdings mit dem Jahr 1927.

Else Seel war eine Gutsherrntochter und lebte als Angestellte einer Bank in Berlin, als sie sich entschloss nach Kanada zu ziehen. Es war 1927 und sie war 33 Jahre alt, als sie in Vancouver ankam, um dort am nächsten Tag ihren Mann, den sie nie vorher gesehen hatte und nur aus Briefen kannte, zu heiraten. Tags drauf fuhren sie in die Wildnis von Nord B.C. und während eines extrem harten Lebens blieb sie ihm treu „bis das der Tod sie schied“. Sie war eine geschätzte Schriftstellerin und Poetin, deren Gedichte und Erzählungen in Deutschland veröffentlicht wurden.

Von ihrem Sohn Rupert habe ich die Erlaubnis erhalten, aus ihrem Buch „Kanadisches Tagebuch“ umfangreich zu zitieren. Gefunden habe ich ihn über das Internet, da er immer noch ein „Goldgräber“ ist - so wie auch sein Vater. Die Informationen über die Goldsuche in B.C. werden heute von den Behörden im Internet veröffentlicht. Bei den Zitaten lasse ich die Romantik weg - die ebenfalls in dem Buch sehr schön erzählt wird - und zitiere ihre Beschreibungen des realen und oft brutalen Lebens. Letzteres hat sie aber nie bereut.

1927 reiste auch A.E. Johann „Mit 20 Dollar in den wilden Westen“, so der Titel seines ersten Buches - um dort für ein Jahr wie ein normaler Immigrant zu arbeiten. Das war sein Auftrag als junger Journalist, der aus Berlin geschickt wurde und bereits als Börsianer seine Sporen an der Berliner Börse verdient hatte. Er war der typische Wanderer, nie konnte er wirklich an einen Ort bleiben und musste immer wieder von der Heimat aus in die weite Welt ziehen. Er war vor und nach dem Zweiten Weltkrieg ein bekannter und beliebter Reiseschriftsteller. Seine Berichte sind sehr gute Analysen der damaligen Zustände. Er wurde nach Kanada geschickt, um zu erforschen, warum es deutschen Auswanderern dort so schlecht geht und sehr viele von ihnen gebrochen nach Deutschland zurückkehrten. In dem Text über Auswanderer und Rückwanderer zitiere ich mehrere Passagen, da sie einen sehr guten Vergleich zu Heute erlauben.

Dazu passt ebenfalls die Studie von Ulrike Treplin: „Auswanderer in der Weimarer Zeit“, die negative und positive Erfahrungen der Immigranten untersucht. Ihre Studie stützt sich auf den Briefwechsel zwischen Migranten und der evangelisch-lutherischen Auswanderermission in Hamburg.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war bis Anfang der Fünfziger keine Einwanderung für Deutsche möglich. Hier sticht der Bericht von Gundula Mayer-Eppler hervor. Sie ist in Kanada geboren und hat dort als Kind eine wunderbare - sicherlich auch sehr harte Zeit erlebt. Sie erzählt die Geschichte ihrer Eltern, deren Kriegs-Traumata sie ihr Leben lang verfolgten. Sie kam als junge Frau nach Deutschland und lebt nun seit über dreißig Jahren hier, hat geheiratet, Kinder bekommen, die nun bereits groß sind und ist voller Heimweh nach dem Land ihrer Kindheit.

Das gleiche Heimweh hat Detlef Janthur, nur nach Deutschland. Als Zehnjähriger wurde er in den Fünfzigern nach Kanada verpflanzt! Sein Vater war praktischer Arzt in Deutschland und als er Anfang der Fünfziger in Alberta landete, hatte er sein gesamtes Studium erneut absolvieren müssen. Er schaffte es, aber es war eine unglaublich harte Zeit für die ganze Familie. Hunger und Not waren in dieser Zeit ständige Begleiter, erzählte Detlef. Der Vater arbeitete bis zur Rente als Arzt in Kanada und zog dann mit seiner Frau zurück ins Schwabenland. Dort hatten sie sich mit Blick auf die Alpen in eine Altenstätte eingekauft. Da auch sein Bruder nach Deutschland zurückkehrte, die Schwester war in Kanada verstorben, zog es Detlef magnetisch zurück nach Osten. Ich traf ihn in Montréal, wo er mir nach und nach von seinem Weg, seinen Zweifeln und seinem Heimweh erzählte.

Georg Vörding war 16, als er sich als Münsteraner freiwillig bei den Gebirgsjägern meldete. Er wurde an die Ostfront geschickt und vor Leningrad schwer verwundet. Der Rücktransport mit dem Zug nach Süddeutschland stand in der Nacht des Angriffs auf Dresden, dort irgendwo in der Stadt auf den Gleisen - er überlebte auch dies. Als sein ältester Bruder Anfang der Fünfziger nach Montréal auswanderte, folgte er ihm ein Jahr später. Von Beruf Anstreicher, wie sein Vater und sein Bruder, erhielt er zunächst keinen Job in der Stadt - trotz eines Baubooms - aber er schaffte es trotzdem, bereits nach einem halben Jahr ein Auto zu haben und ein Jahr später seinen ersten Jaguar zu fahren. Er erzählte es mir, nun bereits über siebzig, in seiner kleinen Werkstatt bei einigen Whiskys.

Im Internet ist Peter Iden einer der Grundpfeiler der Kanada Mailing-Liste von Thomas Stünkel und ein erfolgreicher Unternehmer mit einem „Small-Business“. Seit nun mehr als sechs Jahren hilft er mit seinen Informationen in der Mailing-Liste und berichtet viel Gutes über Kanada. Ab und an erzählt er auch von sich und seiner Familie, wenn er durch die Geschichte eines anderen Forenmitglieds dazu angeregt wird. Er kam als 17 Jähriger mit seinen Eltern nach Kanada, ging zurück nach Deutschland und zog dann für immer nach Kanada. Er schreibt zwar auch an einem Buch, aber nicht über sein Leben, wie er mir mitteilte. So stelle ich seinen Werdegang in Kanada anhand seiner kurzen Berichte zusammen - um mal zu sehen, was er dazu sagt. Er sagte OK! Seine Texte sind nicht nach dem Datum der Veröffentlichung sortiert.

Gertrud Evans ist eine Frau, die heute zufrieden in Kanada lebt. Ihre Kämpfe beschreibt sie in einem Bericht, der im Internet steht. Nun alleine, mit genug Geld, um es auch ab und an im Kasino zu verspielen, geht es ihr gut. Es ist nicht selten, dass es Frauen dort schaffen, wo ihre Männer aufgaben.

In den Achtzigern kamen Jutta Ploessner, Schriftstellerin, Gastgeberin und „Hippie“ mit ihrem Mann und drei Kindern nach B.C. Ihr Bericht ist eine leicht zu lesende romantische Story - aber nur auf den ersten Blick. Es entsteht zeitweise der Eindruck, in ihrer neuen Heimat würden nur Partys gefeiert. Man hat hier sehr genau zwischen den Zeilen zu lesen, um eine Ahnung von der Realität zu erhalten. Zum Vergleich ist da der Bericht von Else Seel sehr gut geeignet. Aber Jutta ist ja Roman-Schriftstellerin und das merkt man ihrem Bericht natürlich positiv an. Ihren Text habe ich darum in ihrer eigenen Formatierung gelassen.

Gudrun Lundie kam mit Mann und Kindern von England nach Ontario, wo sie nach einigen Umwegen als Maklerin arbeitete. Heute lebt sie in Ottawa und ist froh, nicht mehr mit "komplizierten" deutschen Hauskäufern zu tun zu haben.

Dann die Neunziger.

Der Text von Corina Elgiet ist der Start der Berichte über das Leben der heutigen Einwanderer. Es ist alles anders und doch bleibt es das gleiche Problem, im Land erfolgreich zu werden. Diese Erfahrung machte sie 1990, als die Rezession in Kanada startete und 2005, als sie erneut mit der Familie und nun auch mit Kindern zurück nach Kanada ging.

Zu den Neunzigern gehört auch der Bericht von Nicole Negus. Sie lernte ihren Mann, einen Kanadier, bereits Mitte der Neunziger kennen, heiratete ihn 1997 und führte mehrere Jahre eine Distanz-Ehe. Erst im Dezember 2003 landete sie als Permanent Resident in Kanada.

Ab 2000, und besonders mit dem neuen Einwanderungsgesetz ab 2002, wurde eine neue Seite der Einwanderungsgeschichte in Kanada aufgeschlagen. Nun geht es darum einen Job zu haben, wenn möglich bevor man nach Kanada kommt. Oder man ist so hoch qualifiziert, dass man zwar einwandern darf, dann aber womöglich nach der Einreise keinen Job bekommt. Die negativen Geschichten werden auf Webseiten beschrieben, die ich in der Linkliste angebe. Diese Geschichten drucke ich hier nicht, da sie keinen Weg zum Erfolg aufzeigen.

Eva (Name geändert und von ihr so ausgesucht) berichtete ihre negative Erfahrung aus dem Jahr 2004 und verdeutlicht sehr genau, wie man es nicht machen sollte. Allerdings hat sie den Mut nicht verloren und die Familie plant einen zweiten Versuch, der dann besser vorbereitet wird.

Für Tom Wrede und seine Frau war Manitoba die richtige Provinz, um nach Kanada auszuwandern. Für sie ist die Religion ein Grundpfeiler für ein erfülltes Leben. Darum zogen sie in das „Mennonite Country“ südlich von Winnipeg. In ihrer einfachen Erzählung wird aber ebenso sichtbar, was an persönlicher Bereitschaft erforderlich ist, um in Kanada Erfolg zu haben.

Mit Anette Fischer beginnt die Reihe der Erzählungen. Sie kam im Juni 2006 nach Kanada und ihre Begeisterung führte zu einer Reihe von Postings, die es in dieser Intensität sehr selten gibt. Ihre Berichte sind mit den Reportagen von A. E. Johann zu vergleichen - voller Einsatz, und sich nicht zu schade jede Arbeit anzunehmen! Und, sie erzählt in einer Direktheit, die absolut selten ist. Danke!

Dass ich auch die Story von zwei Esoterikern erzähle, ist Teil des romantischen Gedankens: In Kanada kann ich mich selbst finden. (Kann man auch zu Hause in Deutschland.) Ulrich Schaffer wird sich selbst nicht als Esoteriker, sondern als gläubiger Mensch sehen, aber es passt im weitesten Sinne zu der Idee von vielen anderen. Wie auch immer. Es ist ja wohl für alle fleißigen und stress-erprobten Manager, Inhaber aller möglichen Unternehmen oder Ländereien eine bizarre Vorstellung, dass man ein Business gründen kann in dem man jahrelang auf der Parkbank sitzt, so wie es Eckhart Tolle tat.

Ergänzt werden die Erzählungen durch meinen Text „1920 -2006 Einwanderer - Rückwanderer“, der sich unter anderem auf die Studie von Treplin und die Berichte von Johann stützt. Denn auch heute wandern rund 30 % der jungen Männer und Frauen wieder zurück - schreibt Statistics Canada in einer Studie.

Dass in diesen Geschichten am Ende fast immer der persönliche Erfolg steht, ist von mir bewusst so ausgewählt worden. Die Frage in den Foren: „Wie ist es wirklich in Kanada - wo finde ich die Berichte der Einwanderer - auch negative?“ kann ich durch diese Auswahl nur teilweise beantworten. Nicht berücksichtigt habe ich die Geschichten der Super-Erfolgreichen. Deren Erfolg ist nicht zwingend der Wunsch der meisten Einwanderer und ihre Biographie wird von bezahlten Ghostwritern geschrieben.

Erfolg definiere ich nicht nur über Geld - wie ich auch in meinen anderen Büchern schreibe: „Ich definiere persönlichen Erfolg nicht ausschließlich mit viel Geld oder materiellen Werten. Ich messe Erfolg eher an einem ganzheitlichen Leben, das in Bescheidenheit oder Reichtum, dem eigenen Anspruch gerecht wird. Das sage ich bereits jetzt, da der Begriff ‚Erfolg‘ und ‚Karriere‘ sehr oft vorkommen wird. Jeder hat darum diese Worte mit seinen eigenen Werten abzuwägen.“ (Arbeiten im Traumland Kanada, S. 12)

Die meisten Erfahrungsberichte stammen von Mitgliedern der alten und neuen Kanada Mailing Liste, die von Thomas Stünkel gesponsert wird. Einen herzlichen Dank an alle Mitglieder der Liste und an die heutigen Betreiber und Sponsoren Thomas Stünkel und Ralf Pickart. In der Liste sprechen wir uns alle mit Vornamen an und benutzen „du“, so wie die Kanadier das „you“ als selbstverständlich betrachten, wenn wir miteinander schreiben und reden.

Fotografien im Buch

Die schönen Urlaubsbilder aus der Touristenwerbung für Kanada sind ja allgemein bekannt. Ich habe darum Bilder zur Illustration der Texte ausgesucht, die aus alten Büchern und einer Touristen-Werbung von 1936 stammen. Hinzu kommen private Bilder der Autoren. Das Titelbild wurde am 8. Oktober 1930 aufgenommen. Ich habe es über Ebay ersteigert und es ist nun Teil meiner Kanada-Sammlung/Collection.


PS - Korrektur

Warum auch immer: Gudrun Lundie wurde im Buch ohne das "e" am Ende des Namens geschrieben. Sie ist auch keine Rentnerin, war aber wegen privater Gründe lange aus dem Job heraus und arbeitet demnächst wieder als Maklerin in Ottawa.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Sehr geehrter Herr Pouska,

soeben finde ich Ihre Bezugnahme auf meine Studie über Kanada-Auswanderer in der Weimarer Zeit.

Sehr interessant! Wo kann ich eine Kopie Ihres Buches bestellen?

Viele Grüße

Ulrike Flick, geb. Treplin
ulrike_flick@yahoo.com

Anonym hat gesagt…

Vielen Dank für die hilfreichen Beitrag! Ich würde nicht anders bekommen haben!

Anonym hat gesagt…

Ich habe gerade Ihren Feed zu meinen Favoriten. Ich wirklich viel Spaß beim Lesen Ihrer Beiträge.